Tagesmutter werden: 10 Schritte zum Start

Du spielst mit dem Gedanken, Tagesmutter zu werden? Eine wunderbare Idee — und eine, die vielen Schweizer Familien den Alltag erleichtert. Tagesfamilien sind aus der Schweizer Betreuungslandschaft nicht wegzudenken: Sie bieten eine familiäre, flexible und persönliche Betreuung, die keine Kita ersetzen kann. Aber wie startest du? Was brauchst du wirklich? Und was verdienst du am Ende?

Dieser Ratgeber führt dich in 10 konkreten Schritten von der ersten Idee bis zu deinem ersten Betreuungskind. Egal ob du über eine Organisation arbeiten oder dich selbständig machen willst — hier findest du alles, was du wissen musst.


Schritt 1: Selbst-Check — Passt die Arbeit als Tagesmutter zu mir?

Bevor du dich in die organisatorischen Details stürzt, nimm dir einen Moment für eine ehrliche Selbstreflexion. Tagesmutter zu sein ist ein erfüllender, aber auch anspruchsvoller Beruf. Er verlangt mehr als nur Freude an Kindern.

Motivation hinterfragen

Frag dich selbst:

  • Warum möchte ich Tagesmutter werden? Ideal ist eine Kombination aus Leidenschaft für Kinderbetreuung und dem Wunsch, eigene Kinder und Beruf zu verbinden. Weniger ideal: "Ich brauche einfach irgendeinen Job, den ich zu Hause machen kann."
  • Kann ich mir vorstellen, diese Arbeit über Jahre zu machen? Kinder und Eltern bauen Beziehungen zu dir auf. Häufige Wechsel sind für alle belastend.
  • Bin ich bereit, mein Zuhause zu teilen? Dein Wohnzimmer wird zum Spielzimmer. Deine Küche wird zur Kinderküche. Dein Garten wird zum Tummelplatz.

Belastbarkeit und Stresstoleranz

Betreuung von Kleinkindern bedeutet:

  • Lärm, Chaos und Multitasking — jeden Tag, den ganzen Tag
  • Emotionale Situationen — weinende Kinder, besorgte Eltern, schwierige Eingewöhnungen
  • Körperliche Anforderung — Tragen, Bücken, auf dem Boden sitzen, ständig in Bewegung sein
  • Verantwortung — du trägst die alleinige Verantwortung für das Wohl der Kinder in deiner Obhut

Ehrliche Frage an dich selbst: Wie reagierst du, wenn drei Kinder gleichzeitig weinen, das Mittagessen anbrennt und ein Elternteil anruft? Wenn dich dieses Szenario mehr motiviert als abschreckt, bist du auf dem richtigen Weg.

Eigene Familiensituation

  • Partner/Partnerin: Steht deine Familie hinter der Entscheidung? Die Betreuungskinder werden Teil eures Familienlebens.
  • Eigene Kinder: Eigene Kinder sind kein Hindernis — im Gegenteil, sie profitieren oft von Spielkameraden. Aber bedenke: Deine eigenen Kinder müssen teilen lernen — Spielsachen, Aufmerksamkeit, Mama oder Papa.
  • Tagesrhythmus: Bist du bereit, dich an feste Betreuungszeiten zu halten? Spontane Arzttermine oder Einkäufe werden schwieriger.

Geeignete Räumlichkeiten

Dein Zuhause muss kindertauglich sein — oder es werden können:

  • Genügend Platz: Mindestens ein Raum, der als Spiel- und Aufenthaltsbereich dient
  • Schlafmöglichkeit: Ein ruhiger Bereich für den Mittagsschlaf
  • Aussenbereich: Ein Garten oder ein Spielplatz in der Nähe ist ein grosses Plus
  • Sicherheit: Keine offenen Treppen, keine giftigen Pflanzen, keine gefährlichen Ecken (mehr dazu in Schritt 5)

Checkliste: Bist du bereit?

  • Ich habe Freude an der Arbeit mit Kleinkindern — auch an schwierigen Tagen
  • Meine Familie unterstützt das Vorhaben
  • Mein Zuhause bietet genügend Platz
  • Ich kann mir feste Betreuungszeiten einrichten
  • Ich bin bereit, mich weiterzubilden
  • Ich kann mit Stress und Unvorhergesehenem umgehen

Wenn du die meisten Punkte mit Ja beantworten kannst, lies weiter. Wenn nicht — das ist auch völlig in Ordnung. Vielleicht passt eine andere Form der Kinderbetreuung besser zu dir.


Schritt 2: Bewilligungspflicht verstehen

Einer der häufigsten Irrtümer: "Als Tagesmutter brauche ich sicher eine Bewilligung." Das stimmt so nicht. Die Regelung ist differenzierter — und das ist eine gute Nachricht.

Wann brauchst du KEINE Bewilligung?

Gemäss der Pflegekinderverordnung (PAVO) des Bundes brauchst du keine Bewilligung, wenn alle drei folgenden Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:

  1. Du betreust maximal 5 Kinder gleichzeitig (eigene Kinder unter 12 mitgezählt, sofern sie anwesend sind)
  2. Die Betreuung findet an höchstens 2,5 Tagen pro Woche statt (pro Kind gerechnet)
  3. Das Betreuungsverhältnis dauert weniger als 3 Monate

Wann brauchst du eine Bewilligung?

Sobald du eine dieser Schwellen überschreitest, wirst du bewilligungspflichtig:

Kriterium Grenze Überschritten?
Anzahl Kinder gleichzeitig > 5 Kinder → Bewilligung nötig
Betreuungstage pro Woche > 2,5 Tage pro Kind → Bewilligung nötig
Dauer des Verhältnisses > 3 Monate → Bewilligung nötig

In der Praxis heisst das: Die meisten Tagesmütter, die regelmässig und langfristig betreuen, sind bewilligungspflichtig. Das ist kein Nachteil — im Gegenteil: Eine Bewilligung signalisiert Qualität und Vertrauenswürdigkeit.

Bewilligungsverfahren

Das Verfahren ist kantonal geregelt. In der Regel umfasst es:

  • Gesuch einreichen bei der kantonalen Aufsichtsbehörde (oft das Jugendamt oder Sozialamt)
  • Strafregisterauszug vorlegen (Privat- und Sonderprivatauszug)
  • Nachweis der Ausbildung (kibesuisse-Grundkurs, siehe Schritt 3)
  • Hausbesuch durch die Behörde — sie prüft deine Räumlichkeiten, Sicherheit und das Betreuungskonzept
  • Gespräch über deine Motivation, Erfahrung und Betreuungsphilosophie

Tipp: Wenn du über eine Tagesfamilienorganisation arbeitest (Schritt 4), übernimmt diese oft einen Grossteil des Bewilligungsprozesses für dich.

Ausführliche Informationen zu den kantonalen Unterschieden findest du in unserem Ratgeber Bewilligungspflicht in der Kinderbetreuung.


Schritt 3: kibesuisse-Grundkurs absolvieren

Der Grundkurs des Verbands kibesuisse (ehemals Verband Kinderbetreuung Schweiz) ist der Standard in der Tagesfamilienbetreuung. Er ist zwar nicht in jedem Kanton gesetzlich vorgeschrieben, aber de facto die Eintrittskarte in den Beruf.

Was lernst du im Grundkurs?

Der Kurs umfasst 5 Kurstage (ca. 40 Lektionen) und deckt folgende Themen ab:

  • Entwicklungspsychologie: Wie entwickeln sich Kinder in den ersten Lebensjahren? Was brauchen sie in welchem Alter?
  • Ernährung: Altersgerechte, gesunde Ernährung. Allergien und Unverträglichkeiten. Menuplanung.
  • Sicherheit und Prävention: Unfallverhütung zu Hause und draussen. Giftpflanzen, Gefahrenquellen.
  • Erste Hilfe bei Kindern: Was tun bei Verschlucken, Stürzen, Fieberkrämpfen? (Oft als separater Nothelferkurs vertieft)
  • Rechtliche Grundlagen: PAVO, Bewilligungspflicht, Aufsichtspflicht, Haftung
  • Pädagogische Grundlagen: Spielen als Lernen, Tagesstruktur, Eingewöhnung, Bindung
  • Kommunikation mit Eltern: Erziehungspartnerschaft, schwierige Gespräche, kulturelle Unterschiede

Wo und wie?

  • Regional: Verschiedene Standorte in der ganzen Schweiz (Zürich, Bern, Luzern, Basel, St. Gallen, etc.)
  • Online: Seit der Pandemie bieten einige Organisationen auch Online- oder Hybrid-Kurse an
  • Sprache: Deutsch, Französisch, Italienisch — je nach Region
  • Anbieter: kibesuisse selbst, regionale Tagesfamilienorganisationen, Bildungsinstitutionen

Kosten und Dauer

Detail Information
Dauer 5 Kurstage (verteilt auf mehrere Wochen)
Kosten CHF 600–900 (je nach Anbieter und Region)
Zertifikat kibesuisse-Zertifikat bei erfolgreichem Abschluss
Voraussetzungen Keine formalen Voraussetzungen, Mindestalter 18 Jahre

Kosten-Tipp: Manche Tagesfamilienorganisationen übernehmen die Kurskosten ganz oder teilweise, wenn du dich anschliessend bei ihnen als Tagesmutter anmeldest. Frag vor der Anmeldung nach.

Zusätzliche empfohlene Kurse

  • Nothelferkurs speziell für Kinder: CHF 150–250, 1 Tag. Dringend empfohlen, auch wenn nicht immer obligatorisch.
  • Weiterbildungskurse: kibesuisse bietet regelmässig Vertiefungskurse an (z.B. Umgang mit herausforderndem Verhalten, Sprachförderung, kulturelle Vielfalt)

Schritt 4: Organisation oder selbständig? Die grosse Entscheidung

Dies ist eine der wichtigsten Weichenstellungen auf deinem Weg. Beide Modelle haben klare Vor- und Nachteile. Nimm dir Zeit für diese Entscheidung.

Was ist eine Tagesfamilienorganisation?

Eine Tagesfamilienorganisation (TFO) ist ein Verein oder eine Fachstelle, die als Vermittlerin zwischen Tagesmüttern und Eltern fungiert. Die TFO übernimmt die Administration, die Qualitätssicherung und oft auch die Lohnabwicklung. In der Schweiz gibt es rund 200 solcher Organisationen, die meisten sind Mitglied bei kibesuisse.

Detaillierter Vergleich

Kriterium Über eine Organisation Selbständig
Administration Organisation übernimmt Verträge, Lohnabrechnung, Steuern, AHV-Abrechnung Du erledigst alles selbst: Buchhaltung, Rechnungen, Steuererklärung
Versicherung In der Regel über die Organisation abgedeckt (Haftpflicht, UVG) Du musst selbst Haftpflicht- und Unfallversicherung abschliessen
Verträge Die Organisation stellt Musterverträge und regelt die Vereinbarung mit den Eltern Du erstellst deinen eigenen Betreuungsvertrag
Klientenakquise Die Organisation vermittelt dir Familien — du musst nicht selbst suchen Du musst dich selbst um Kunden kümmern (Inserate, Profil, Netzwerk)
Einkommen Typisch CHF 5–8/Stunde netto (nach Abzug des Organisations-Anteils von 20–35%) CHF 8–12/Stunde brutto, aber du trägst alle Kosten selbst
Flexibilität Betreuungszeiten und Tarife werden von der Organisation mitbestimmt Du bestimmst deine Tarife, Zeiten und Konditionen selbst
Qualitätssicherung Regelmässige Hausbesuche, Weiterbildungspflicht, Austausch mit Fachpersonen Du bist selbst für deine Qualität verantwortlich
Fachliche Begleitung Fachberatung bei schwierigen Situationen, Austauschtreffen mit anderen Tagesmüttern Kein institutionelles Netz — du musst dir selbst Austausch suchen
Start Oft schneller, weil die Organisation den Bewilligungsprozess begleitet Mehr Aufwand am Anfang, dafür langfristig mehr Unabhängigkeit
Sozialversicherung Du bist meist angestellt (Lohnausweis, AHV/IV/EO wird abgezogen) Du bist selbständigerwerbend und musst dich bei der SVA anmelden

Für wen eignet sich was?

Organisation ist ideal, wenn du:

  • Zum ersten Mal als Tagesmutter arbeitest und Begleitung schätzt
  • Keine Lust auf Buchhaltung und Administration hast
  • Den Austausch mit anderen Tagesmüttern suchst
  • Nicht selbst nach Familien suchen willst

Selbständig ist ideal, wenn du:

  • Erfahrung in der Kinderbetreuung mitbringst
  • Unternehmerisch denkst und dein eigenes Ding machen willst
  • Einen höheren Stundenlohn anstrebst
  • Deine Tarife, Zeiten und Bedingungen selbst bestimmen willst

Gut zu wissen: Viele Tagesmütter starten bei einer Organisation und machen sich nach einigen Jahren selbständig, wenn sie Erfahrung und ein Netzwerk aufgebaut haben. Lies auch unseren Ratgeber Als Nanny selbständig arbeiten für weitere Einblicke in die Selbständigkeit in der Kinderbetreuung.


Schritt 5: Räumlichkeiten vorbereiten

Dein Zuhause wird zum Arbeitsplatz — und muss entsprechend kindersicher sein. Das bedeutet nicht, dass du deine ganze Wohnung umbauen musst. Aber ein gründlicher Sicherheitscheck ist unverzichtbar.

Sicherheitscheck: Die wichtigsten Punkte

Steckdosen:

  • Alle Steckdosen in Kinderhöhe (unter 1,50 m) mit Kindersicherungen versehen
  • Keine losen Kabel, an denen Kinder ziehen könnten

Treppen:

  • Treppenschutzgitter oben und unten anbringen (bei Wohnungen mit Treppen)
  • Geländer müssen engmaschig genug sein, dass kein Kinderkopf durchpasst

Giftige Pflanzen:

  • Entferne alle giftigen Zimmerpflanzen (Efeu, Weihnachtsstern, Oleander, Dieffenbachie, Philodendron)
  • Auch im Garten: Eibe, Eisenhut, Herbstzeitlose, Tollkirsche

Reinigungsmittel und Chemikalien:

  • Alle Putzmittel, Medikamente und Chemikalien in abschliessbaren Schränken aufbewahren
  • Auch Geschirrspültabs, Waschmittel und Nagellackentferner ausser Reichweite lagern

Fenster:

  • Fenstersicherungen anbringen (Kippschutz reicht nicht!)
  • Keine Möbel vor Fenstern, auf die Kinder klettern könnten

Küche:

  • Herdschutzgitter installieren
  • Messer, Scheren und Reiben ausser Reichweite
  • Heisse Getränke nie am Tischrand stehen lassen

Bereiche einrichten

Schlafbereich:

  • Ein ruhiger, abgedunkelter Raum oder eine ruhige Ecke
  • Bettchen, Matratzen oder Reisebetten — je nach Alter der Kinder
  • Individuelle Schlafplätze (nicht alle in einem Bett)
  • Richtige Temperatur (18–20 Grad)

Spielbereich:

  • Altersgerechtes Spielzeug (keine Kleinteile für Kinder unter 3)
  • Bastelmaterial, Bücher, Bausteine, Puppen, Fahrzeuge
  • Genug Platz zum Bewegen, Toben und Bauen
  • Kreativecke mit abwaschbarem Boden oder Malunterlage

Wickelbereich:

  • Wickelunterlage an sicherem Ort (Wickelkommode mit erhöhtem Rand oder auf dem Boden)
  • Windeln, Feuchttücher, Wechselkleidung griffbereit
  • Abfalleimer mit Deckel

Aussenbereich (falls vorhanden):

  • Garten einzäunen oder sicherstellen, dass Kinder nicht auf die Strasse laufen können
  • Keine giftigen Pflanzen, keine offenen Wasserstellen (auch Regentonne sichern!)
  • Sandkasten abdecken (Katzen!)
  • Spielgeräte regelmässig auf Stabilität prüfen

Schritt 6: Versicherungen klären

Versicherungen sind nicht das spannendste Thema — aber eines der wichtigsten. Als Tagesmutter trägst du eine grosse Verantwortung, und ein Unfall oder Schadenfall kann ohne richtige Absicherung existenzbedrohend werden.

Privathaftpflichtversicherung

Was sie abdeckt: Schäden, die du oder die betreuten Kinder Dritten zufügen. Beispiel: Ein Kind in deiner Obhut wirft einen Ball in die Scheibe des Nachbarn.

Wichtig: Prüfe, ob deine bestehende Privathaftpflicht die berufliche Tätigkeit als Tagesmutter abdeckt. Viele Standard-Policen schliessen berufliche Tätigkeiten aus. Du brauchst dann entweder:

  • Einen Zusatz zu deiner bestehenden Police (ca. CHF 50–100/Jahr mehr)
  • Oder eine separate Berufshaftpflichtversicherung (ca. CHF 200–400/Jahr)

Bei einer Organisation: Die Haftpflichtversicherung ist in der Regel über die Organisation abgeschlossen. Prüfe aber, was genau abgedeckt ist.

Unfallversicherung (UVG)

Wenn du selbständig bist: Du bist nicht obligatorisch UVG-versichert. Du kannst dich aber freiwillig bei der Suva oder einem privaten Versicherer anmelden. Das wird dringend empfohlen — ein Unfall bei der Arbeit (z.B. Sturz mit einem Kind auf dem Arm) kann dich wochenlang ausser Gefecht setzen.

Wenn du über eine Organisation angestellt bist: Die Organisation muss dich gemäss UVG versichern. Das ist Pflicht ab dem ersten Arbeitstag.

Hausratversicherung

Überprüfe deine Hausratversicherung: Sind Schäden, die durch Betreuungskinder verursacht werden, gedeckt? Ein Kind, das Farbe auf dein Sofa kippt oder einen Teller vom Tisch wirft, verursacht einen Sachschaden in deinem eigenen Haushalt — das ist kein Haftpflichtfall, sondern ein Hausratfall.

Übersicht Versicherungen

Versicherung Pflicht? Kosten ca./Jahr Empfehlung
Privathaftpflicht (mit Berufsdeckung) Dringend empfohlen CHF 200–400 Unbedingt abschliessen
Unfallversicherung (UVG freiwillig) Freiwillig bei Selbständigen CHF 300–600 Sehr empfohlen
Hausratversicherung (Prüfung) Empfohlen Je nach Police Police prüfen lassen
Rechtsschutzversicherung Optional CHF 200–400 Sinnvoll bei Selbständigkeit

Einen vertieften Überblick findest du in unserem Ratgeber Versicherungen für Betreuungsanbieter.


Schritt 7: Betreuungsvertrag erstellen

Ein klarer, schriftlicher Betreuungsvertrag schützt dich und die Eltern. Er regelt die Erwartungen und verhindert Konflikte. Auch wenn du über eine Organisation arbeitest (die oft eigene Musterverträge hat), solltest du verstehen, was in einen guten Vertrag gehört.

Die wichtigsten Vertragsklauseln

Betreuungszeiten:

  • Wochentage und Uhrzeiten (z.B. Montag und Mittwoch, 7:30–17:30)
  • Regelung für Früh- oder Spätbetreuung
  • Ab wann gilt Überzeit und was kostet sie?

Tarife und Zahlungsmodalitäten:

  • Stundentarif oder Pauschaltarif pro Tag/Monat
  • Mahlzeiten inklusive oder extra?
  • Zahlungsfrist (z.B. monatlich im Voraus bis zum 25.)
  • Preiserhöhungen: Wie und wann werden sie angekündigt?

Mahlzeiten:

  • Wer stellt das Essen bereit — du oder die Eltern?
  • Kosten für Mahlzeiten (typisch: CHF 5–10/Tag für Mittagessen und Znüni/Zvieri)
  • Umgang mit Allergien und spezieller Ernährung (vegetarisch, halal, Unverträglichkeiten)

Krankheitsregelung:

  • Wann bleibt das Kind zu Hause? (Fieber ab 38°C, Erbrechen, ansteckende Krankheiten)
  • Muss bei Abwesenheit des Kindes trotzdem bezahlt werden? (Üblich: ja, da du den Platz freigehalten hast)
  • Was passiert, wenn DU krank bist? (Vertretung? Ausfall? Erstattung?)

Ferien und Feiertage:

  • Deine Ferientage (üblich: 4–5 Wochen pro Jahr, analog zur Familie)
  • Müssen deine Ferien und die der Eltern koordiniert werden?
  • Bezahlung während der Ferien?

Kündigungsfrist:

  • Üblich: 1–2 Monate Kündigungsfrist
  • Ausserordentliche Kündigung bei grobem Fehlverhalten (beidseitig)

Eingewöhnung:

  • Dauer und Ablauf der Eingewöhnung (1–2 Wochen empfohlen)
  • Kosten während der Eingewöhnung (oft reduziert oder kostenlos)
  • Ist die Eingewöhnung ein Probezeit-Zeitraum?

Probezeit:

  • Typisch: 1–3 Monate Probezeit mit verkürzter Kündigungsfrist (z.B. 2 Wochen)

Tipp: kibesuisse bietet einen Muster-Betreuungsvertrag an, den du als Vorlage verwenden und anpassen kannst. Auch viele Tagesfamilienorganisationen stellen ihren Tagesmüttern Vertragsvorlagen zur Verfügung.


Schritt 8: Tarife festlegen

Die Frage "Was verdiene ich als Tagesmutter?" ist komplex — denn die Antwort hängt von vielen Faktoren ab. Hier die wichtigsten Orientierungspunkte.

Was empfiehlt kibesuisse?

kibesuisse empfiehlt einen Brutto-Richttarif von ca. CHF 8 pro Stunde und Kind. Dieser Tarif beinhaltet:

  • Deinen Lohn
  • Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO)
  • Mahlzeiten (falls du kochst)
  • Anteil für Bastelmaterial, Ausflüge, Verschleiss

Was bezahlen Eltern tatsächlich?

Das hängt stark davon ab, ob die Familie Subventionen erhält:

Situation Eltern zahlen pro Stunde
Ohne Subventionen (Vollzahler) CHF 6–10
Mit Betreuungsgutscheinen (tiefer Anspruch) CHF 4–6
Mit Betreuungsgutscheinen (hoher Anspruch) CHF 1–3
Über Tagesfamilienorganisation mit Subventionsvertrag CHF 0.50–5

Wichtig: Wenn du über eine Organisation arbeitest, legt die Organisation den Elterntarif fest und verrechnet dir einen Anteil (typisch 20–35% deines Bruttolohns) für Administration, Vermittlung und Versicherung.

Nebenkosten nicht vergessen

Zusätzlich zum Stundenlohn fallen folgende Kosten an, die du in deiner Kalkulation berücksichtigen solltest:

  • Mahlzeiten: CHF 5–10 pro Kind und Tag (Znüni, Mittagessen, Zvieri)
  • Bastelmaterial: CHF 20–50 pro Monat
  • Spielzeugersatz und Verschleiss: CHF 30–50 pro Monat
  • Höhere Nebenkosten: Wasser, Strom, Heizung — geschätzt CHF 50–100 pro Monat mehr
  • Versicherungen: CHF 50–100 pro Monat (bei Selbständigkeit)

Was verdient eine Tagesmutter wirklich? Eine ehrliche Rechnung

Lass uns eine realistische Berechnung machen. Wir nehmen zwei Szenarien an:

Szenario A: Über eine Organisation (angestellt)

Position Betrag
3 Kinder, je 2 Tage/Woche, 9 Stunden/Tag 54 Stunden/Woche
Bruttotarif pro Stunde CHF 8.00
Brutto pro Woche CHF 432
Brutto pro Monat (4,33 Wochen) CHF 1'871
Abzug Organisation (ca. 25%) – CHF 468
Brutto nach Organisationsabzug CHF 1'403
Abzug Sozialversicherungen (ca. 7%) – CHF 98
Netto pro Monat ca. CHF 1'305

Szenario B: Selbständig

Position Betrag
3 Kinder, je 2 Tage/Woche, 9 Stunden/Tag 54 Stunden/Woche
Bruttotarif pro Stunde CHF 9.00
Brutto pro Woche CHF 486
Brutto pro Monat (4,33 Wochen) CHF 2'104
Abzug Sozialversicherungen AHV/IV/EO (ca. 10%) – CHF 210
Abzug Versicherungen (Haftpflicht, UVG) – CHF 60
Abzug Mahlzeitenkosten (ca. CHF 150) – CHF 150
Abzug Material/Verschleiss – CHF 50
Netto pro Monat ca. CHF 1'634

Fazit: Tagesmutter zu sein macht dich nicht reich. Bei einem Nettoverdienst von CHF 1'300–1'650 pro Monat (je nach Modell und Pensum) ist es ein Zuverdienst, der sich vor allem lohnt, wenn du eigene Kinder hast und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf suchst. Der Vorteil: Du arbeitest zu Hause, sparst dir den Arbeitsweg und bist bei deinen eigenen Kindern.

Steuerliche Aspekte

  • Angestellt (Organisation): Du erhältst einen Lohnausweis. Die Steuererklärung ist einfach.
  • Selbständig: Du deklarierst dein Einkommen als selbständige Erwerbstätigkeit. Du kannst Berufskosten abziehen (Anteil Wohnungsmiete, Mahlzeiten, Material, Versicherungen). Wir empfehlen dir, einen Treuhänder beizuziehen — zumindest im ersten Jahr.

Für mehr Informationen zur Rechtsform lies unseren Ratgeber Rechtsform für Kinderbetreuungsanbieter.


Schritt 9: Bei der SVA anmelden

Wenn du selbständig als Tagesmutter arbeitest, musst du dich bei der Sozialversicherungsanstalt (SVA) deines Kantons als Selbständigerwerbende anmelden. Das ist Pflicht — keine Option.

Was du anmelden musst

  • AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung)
  • IV (Invalidenversicherung)
  • EO (Erwerbsersatzordnung — deckt Mutterschaftsentschädigung)
  • ALV (Arbeitslosenversicherung — freiwillig bei Selbständigen)

Wie meldest du dich an?

  1. Kontaktiere die SVA deines Wohnkantons (z.B. SVA Zürich, AK Bern, SVA Luzern)
  2. Melde dich als Selbständigerwerbende an — du brauchst einen Nachweis deiner Tätigkeit (Betreuungsverträge, Rechnungen, Buchhaltung)
  3. Die SVA prüft, ob du tatsächlich als selbständig gelten kannst — oder ob ein Anstellungsverhältnis vorliegt
  4. Du erhältst eine AHV-Nummer (falls du noch keine hast) und wirst im System erfasst
  5. Beitragszahlungen: Als Selbständige zahlst du ca. 10% deines Nettoeinkommens an AHV/IV/EO (Arbeitgeber- UND Arbeitnehmeranteil zusammen)

Achtung: Selbständig oder angestellt?

Die SVA prüft dein Arbeitsverhältnis. Du giltst nur als selbständig, wenn du:

  • Mehrere Kunden (Familien) hast
  • Eigenes unternehmerisches Risiko trägst
  • Eigene Infrastruktur nutzt (dein Zuhause)
  • Nicht weisungsgebunden bist

Wenn du nur für eine einzige Familie arbeitest, kann die SVA ein Anstellungsverhältnis feststellen — dann müssten die Eltern dich als Arbeitgebende anmelden und AHV-Beiträge abführen.

Wenn du über eine Organisation arbeitest: Die Organisation meldet dich an und führt die Sozialversicherungsbeiträge ab. Du musst dich nicht selbst bei der SVA anmelden.


Schritt 10: Sichtbar werden und die ersten Familien finden

Alles ist vorbereitet — jetzt fehlen nur noch die Kinder. Wie findest du Familien, die eine Tagesmutter suchen?

Profil auf maus.kids erstellen

Erstelle ein kostenloses Profil auf maus.kids. Dort suchst du gezielt Familien in deiner Region, die eine Tagesmutter suchen. Ein gutes Profil enthält:

  • Persönliche Beschreibung: Wer bist du? Was ist deine Motivation? Was macht dich besonders?
  • Qualifikationen: kibesuisse-Kurs, Erste-Hilfe-Kurs, Berufserfahrung, eigene Kinder
  • Betreuungsangebot: Alter der Kinder, Betreuungszeiten, freie Plätze
  • Fotos: Dein Spielbereich, der Garten, die Umgebung (keine Fotos von Betreuungskindern ohne Einwilligung!)
  • Tarife: Transparente Preisangabe schafft Vertrauen
  • Standort: Deine Postleitzahl, damit Familien dich in der Suche finden

Lokales Netzwerk aufbauen

  • Spielplätze und Quartiervereine: Mach dich in deinem Quartier bekannt
  • Kinderarztpraxen: Frag, ob du einen Flyer aufhängen darfst
  • Mütter-/Väterberatungsstellen: Oft eine Anlaufstelle für Eltern, die Betreuung suchen
  • Kirchgemeinden und Gemeindeverwaltung: Schwarzes Brett, Gemeindeblatt
  • Soziale Medien: Lokale Facebook-Gruppen, Quartier-Chats, Nachbarschafts-Apps

Aushänge und Flyer

Ein einfacher, ansprechender Flyer wirkt Wunder. Er sollte enthalten:

  • Deinen Namen und ein sympathisches Foto
  • Dein Angebot (Alter, Tage, Zeiten)
  • Deine Qualifikation (kibesuisse-zertifiziert)
  • Kontaktmöglichkeit (Telefon, E-Mail oder maus.kids-Profil)
  • Deine Adresse oder Quartier

Hänge ihn auf bei: Detailhändlern (Migros, Coop — frag an der Infotheke), Bibliotheken, Gemeindeverwaltung, Kinderarzt, Mütterberatung, Quartierläden.


Kantonsspezifische Hinweise

Die Bewilligungspraxis und die Strukturen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Hier die wichtigsten Besonderheiten:

Kanton Zürich

In Zürich gibt es den Verein Tagesfamilien Kanton Zürich als Dachorganisation. Er koordiniert rund 40 lokale Tagesfamilienvereine. Besonderheiten:

  • Viele Gemeinden in Zürich haben Subventionsvereinbarungen mit Tagesfamilienorganisationen
  • Die Stadt Zürich arbeitet mit dem Zürcher Modell der Betreuungsgutscheine, die auch für Tagesfamilien gelten
  • Bewilligungsstelle: Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB)

Mehr Informationen: Kinderbetreuung im Kanton Zürich

Kanton Bern

Bern setzt stark auf das Tagesfamilienmodell. Der Verein Tagesfamilien Kanton Bern ist gut ausgebaut. Besonderheiten:

  • Betreuungsgutscheine in vielen Gemeinden auch für Tagesfamilien gültig
  • Die Stadt Bern bietet subventionierte Tagesfamilienplätze an
  • Bewilligungsstelle: Kantonales Jugendamt

Mehr Informationen: Kinderbetreuung im Kanton Bern

Kanton Freiburg

In Freiburg gibt es eine Sonderbewilligung für Tageseltern, die strenger geregelt ist als in vielen anderen Kantonen:

  • Bereits ab der Betreuung von einem Kind während mehr als 20 Stunden pro Woche kann eine Bewilligung nötig sein
  • Die Anforderungen an Räumlichkeiten und Ausbildung sind überdurchschnittlich hoch
  • Enger Kontakt mit dem Jugendamt während des gesamten Bewilligungsprozesses

Mehr Informationen: Kinderbetreuung im Kanton Freiburg

Kanton Waadt und Genf

In der Romandie ist das Tagesfamilien-System über die Accueillantes en milieu familial (AMF) organisiert. Der Verband ist das Réseau d'accueil extrafamilial. Die Ausbildungsanforderungen und Bewilligungsverfahren unterscheiden sich von der Deutschschweiz.

Kanton Luzern

  • Gut ausgebautes Tagesfamilien-Netzwerk über den Verein Tagesfamilien Kanton Luzern
  • Die Stadt Luzern bietet Betreuungsgutscheine auch für Tagesfamilien an
  • Bewilligungsstelle: Dienststelle Soziales und Gesellschaft (DISG)

Mehr Informationen: Kinderbetreuung im Kanton Luzern


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich als Tagesmutter arbeiten, wenn ich keine eigenen Kinder habe?

Ja, absolut. Eigene Kinder sind keine Voraussetzung. Der kibesuisse-Grundkurs und allenfalls eine Bewilligung stehen allen offen, die über 18 Jahre alt sind und die nötige Eignung mitbringen. Viele kinderlose Personen sind hervorragende Tagesmütter oder Tagesväter.

Wie viele Kinder darf ich gleichzeitig betreuen?

Das hängt von deinem Kanton und deiner Bewilligung ab. In der Regel gilt: Maximal 5 Kinder gleichzeitig (inklusive eigener Kinder unter 12 Jahren). Bei mehr als 5 Kindern brauchst du in jedem Fall eine Bewilligung und möglicherweise eine zweite Betreuungsperson. Achte darauf, dass du nicht mehr Kinder annimmst, als du qualitativ gut betreuen kannst.

Was mache ich, wenn ich krank bin?

Das ist eine der grössten Herausforderungen als Tagesmutter. Plane voraus:

  • Bei einer Organisation: Die TFO organisiert in der Regel eine Vertretung
  • Als Selbständige: Baue dir ein Vertretungsnetz auf (andere Tagesmütter, Familienmitglieder). Halte diese Möglichkeit im Betreuungsvertrag fest
  • Bei längerer Krankheit: Prüfe, ob deine Krankentaggeld-Versicherung auch als Selbständige greift. Falls du keine hast: dringend eine abschliessen!

Muss ich Deutsch als Muttersprache sprechen?

Nein, das ist keine Voraussetzung. Gute Deutschkenntnisse (oder die Sprache deiner Region) sind aber wichtig, da du mit Eltern kommunizieren, Verträge verstehen und dich im Kurs verständigen musst. Viele Tagesfamilienorganisationen schätzen Mehrsprachigkeit sogar sehr — zweisprachige Betreuung ist für manche Familien ein grosses Plus.

Kann ich auch als Tagesvater arbeiten?

Selbstverständlich. Der Begriff "Tagesmutter" ist historisch gewachsen, aber Tagesväter sind ebenso willkommen. Die Ausbildung, Bewilligung und alle Rahmenbedingungen sind identisch. In der Praxis ist der Männeranteil noch gering, aber wachsend — und viele Eltern freuen sich über männliche Bezugspersonen für ihre Kinder.


Zusammenfassung: Dein 10-Schritte-Fahrplan

Schritt Was Zeitaufwand
1 Selbst-Check: Passt es zu mir? 1–2 Wochen Reflexion
2 Bewilligungspflicht klären 1 Tag Recherche
3 kibesuisse-Grundkurs absolvieren 5 Kurstage (über Wochen verteilt)
4 Organisation oder selbständig entscheiden 1–2 Wochen
5 Räumlichkeiten vorbereiten 1–4 Wochen
6 Versicherungen klären und abschliessen 1–2 Wochen
7 Betreuungsvertrag erstellen 1–3 Tage
8 Tarife kalkulieren und festlegen 1–2 Tage
9 SVA-Anmeldung (bei Selbständigkeit) 1 Tag + Bearbeitungszeit
10 Sichtbar werden und Familien finden laufend

Realistischer Zeitrahmen vom Entschluss bis zum ersten Betreuungskind: 2–4 Monate.


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Und wenn du noch mehr wissen willst:

«Switzerland has one of the most expensive childcare systems in the world. Transparency on costs and availability is the first step towards better work-life balance.»

Mathias Scherer
Founder, maus.kids

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