Tagesmutter finden: Der komplette Guide

Eine Tagesmutter — oder Tagesfamilie — ist für viele Familien die ideale Betreuungsform: familiär, flexibel und persönlich. Besonders für Babys, Kleinkinder und Familien mit unregelmässigen Arbeitszeiten ist eine Tagesfamilie oft die bessere Wahl als eine Kita. Aber wie findest du die richtige Person? Und worauf musst du achten? Dieser Guide begleitet dich vom ersten Schritt bis zum Vertragsabschluss.

Was genau ist eine Tagesfamilie?

Eine Tagesmutter (oder ein Tagesvater) betreut Kinder bei sich zu Hause — entweder allein, zusammen mit eigenen Kindern oder in einer kleinen Gruppe. Die maximale Gruppengrösse beträgt 5 Kinder gleichzeitig (inklusive eigene Kinder unter 7 Jahren).

Der Unterschied zur Kita: Die Betreuung findet in einem privaten Haushalt statt, mit einer festen Bezugsperson, in einer familiären Umgebung. Viele Tagesmütter sind bei einem Tagesfamilienverein angeschlossen, der Ausbildung, Qualitätssicherung und Versicherung organisiert.

Tagesfamilienverein vs. privat: Die zwei Wege

Weg 1: Über einen Tagesfamilienverein (empfohlen)

Tagesfamilienvereine vermitteln qualifizierte Tagesmütter und übernehmen die gesamte Administration. Der grösste Dachverband ist kibesuisse (Verband Kinderbetreuung Schweiz), der über regionale Mitgliedorganisationen verfügt.

Vorteile:

  • Tagesmutter ist ausgebildet (kibesuisse-Grundkurs, Nothelferkurs)
  • Versicherungsschutz (Haftpflicht, Unfallversicherung) ist gewährleistet
  • Professioneller Betreuungsvertrag
  • Qualitätskontrolle durch regelmässige Besuche und Weiterbildungen
  • Subventionierte Tarife möglich (einkommensabhängig)
  • Vertretungsregelung bei Krankheit der Tagesmutter

Nachteile:

  • Weniger Auswahl als auf dem privaten Markt
  • Tarife sind standardisiert (weniger Verhandlungsspielraum)

Weg 2: Privat suchen

Du findest eine Tagesmutter privat — über Empfehlungen, Online-Plattformen oder Inserate.

Vorteile:

  • Grössere Auswahl
  • Flexiblere Tarif-Verhandlung
  • Direkte Absprache ohne Verein als Zwischeninstanz

Nachteile:

  • Keine garantierte Ausbildung
  • Versicherung musst du selbst klären
  • Kein standardisierter Vertrag
  • Keine Vertretung bei Krankheit
  • Keine Qualitätskontrolle
  • Subventionen schwieriger zu erhalten

Unsere Empfehlung: Wenn möglich, suche über einen Tagesfamilienverein. Die Qualitätsgarantie und der Versicherungsschutz sind unbezahlbar. Und die Tarife sind dank Subventionen oft günstiger als gedacht.

Wo finde ich eine Tagesmutter?

Quelle Beschreibung
kibesuisse Dachverband mit regionalen Mitgliedorganisationen. Suche nach PLZ.
maus.kids Suche nach Tagesmüttern in deiner Nähe mit Filteroptionen
Gemeinde / Stadt Fachstelle Familie oder Abteilung Soziales führt oft eigene Listen
Regionale Tagesfamilienvereine Z.B. TFO Zürich, TFB Bern, AFTJ Genf
Empfehlungen Frag andere Eltern in deiner Umgebung, Spielgruppe oder Quartierverein

Kosten im Detail

Die Kosten hängen stark davon ab, ob du über einen Verein gehst oder privat suchst.

Über einen Tagesfamilienverein

Faktor Detail
Stundentarif CHF 5–11 pro Stunde (einkommensabhängig)
Mahlzeiten CHF 3–7 pro Mahlzeit (separat oder pauschal)
3 Tage/Woche, 8 Std. Ca. CHF 500–900/Monat
5 Tage/Woche, 10 Std. Ca. CHF 1'100–2'200/Monat

Privat

Faktor Detail
Stundentarif CHF 10–25 pro Stunde
3 Tage/Woche, 8 Std. Ca. CHF 1'000–2'400/Monat
5 Tage/Woche, 10 Std. Ca. CHF 2'200–5'000/Monat

Rechenbeispiel: Familie in Zürich, 1 Kind (18 Monate), 3 Tage/Woche à 9 Stunden. Über Tagesfamilienverein: CHF 7/Std. × 9 Std. × 13 Tage/Monat = CHF 819/Monat + Mahlzeiten. Privat: CHF 18/Std. × 9 Std. × 13 Tage = CHF 2'106/Monat.

Subventionen

Subventionen sind möglich, wenn:

  • Die Tagesmutter über einen anerkannten Tagesfamilienverein arbeitet
  • Du in einer Gemeinde wohnst, die Tagesfamilienbetreuung subventioniert
  • Dein Einkommen unter der Anspruchsgrenze liegt

Die Subventionsmodelle sind die gleichen wie bei Kitas: einkommensabhängige Tarife, Betreuungsgutscheine oder Arbeitgeberfonds.

→ Ratgeber: Subventionen für Kinderbetreuung

Bewilligungen und rechtliche Grundlagen

In der Schweiz gilt die Pflegekinderverordnung (PAVO), die auch Tagesfamilien regelt:

Situation Regelung
Bis 5 Kinder, max. 2.5 Tage/Woche Meldepflicht bei der Gemeinde
Mehr als 5 Kinder oder mehr als 2.5 Tage/Woche Bewilligungspflicht (kantonale Behörde)
Über einen Tagesfamilienverein Verein übernimmt Meldung/Bewilligung

Die kantonalen Regelungen variieren. In manchen Kantonen (z.B. ZH) ist die Meldepflicht bereits ab der regelmässigen Betreuung eines einzigen Kindes unter 12 Jahren erforderlich.

Checkliste: Das Erstgespräch mit der Tagesmutter

Triff die Tagesmutter idealerweise bei ihr zu Hause — dort findet schliesslich die Betreuung statt.

Persönliches

  • Warum arbeitet sie als Tagesmutter? (Motivation)
  • Hat sie eigene Kinder? In welchem Alter?
  • Welche Ausbildung hat sie? (Nothelferkurs, kibesuisse-Grundkurs, pädagogische Ausbildung?)
  • Wie lange arbeitet sie schon als Tagesmutter?
  • Kann sie Referenzen von anderen Familien nennen?

Betreuung

  • Wie viele Kinder betreut sie gleichzeitig?
  • Wie sieht ein typischer Tag aus?
  • Wie handhabt sie Schlafen, Essen, Spielen, Rausgehen?
  • Wie geht sie mit Konflikten zwischen Kindern um?
  • Wie ist ihre Erziehungshaltung? (Grenzen setzen, Trösten, Fördern)
  • Wie handhabt sie die Eingewöhnung?

Wohnung

  • Ist die Wohnung kindersicher? (Steckdosen, Treppen, Fenster, Giftstoffe)
  • Gibt es genügend Platz zum Spielen?
  • Gibt es einen Aussenbereich oder einen Spielplatz in der Nähe?
  • Wo schläft das Kind? (Separater Raum? Ruhiger Bereich?)
  • Sind Haustiere vorhanden? (Allergien, Sicherheit)

Organisatorisches

  • Welche Tage und Zeiten sind möglich?
  • Wie flexibel ist sie bei kurzfristigen Änderungen?
  • Was passiert, wenn sie krank ist? (Vertretung?)
  • Wie sieht die Ferienregelung aus?
  • Wie und wie oft kommuniziert sie mit den Eltern?

Der Vertrag: Was drinstehen muss

Ob über Verein oder privat — ein schriftlicher Vertrag ist unverzichtbar. Er sollte enthalten:

  • Betreuungszeiten: Welche Tage, welche Uhrzeiten
  • Tarif: Stundenlohn, Mahlzeitenpauschale, Nebenkosten
  • Zahlungsmodalitäten: Monatlich im Voraus? Stundenbasis?
  • Kündigungsfrist: Üblich: 1–2 Monate
  • Probezeit: 1–3 Monate empfohlen
  • Ferienregelung: Wie viele Wochen Ferien? Muss trotzdem gezahlt werden?
  • Krankheit des Kindes: Ab wann muss es zu Hause bleiben? Wer entscheidet?
  • Krankheit der Tagesmutter: Vertretungsregelung
  • Versicherung: Haftpflicht und Unfallversicherung
  • Notfallkontakte: Wer wird bei einem Notfall informiert?
  • Vollmachten: Arztbesuch, Ausflüge, Abholberechtigte

Steuerabzug

Tagesmutter-Kosten sind als Drittbetreuungskosten steuerlich abzugsfähig — genau wie Kita-Kosten. Beim Bund bis CHF 10'100 pro Kind/Jahr, kantonal je nach Wohnort deutlich mehr.

Voraussetzung: Die Betreuung findet wegen Erwerbstätigkeit, Ausbildung oder Krankheit statt. Du brauchst Rechnungen und Zahlungsbelege.

→ Ratgeber: Kinderbetreuung von der Steuer abziehen

Tagesmutter vs. Kita: Wann was?

Kriterium Tagesmutter besser Kita besser
Alter des Kindes Babys, unter 18 Monate Ab 18 Monaten
Arbeitszeiten Unregelmässig, Schicht, Abend Regelmässig, Mo–Fr
Betreuungstage 1–3 Tage/Woche 3–5 Tage/Woche
Soziale Kontakte Weniger Kinder gewünscht Viele Gleichaltrige gewünscht
Flexibilität Hoch (individuelle Absprache) Mittel (feste Strukturen)
Kosten bei Teilzeit Oft günstiger Oft teurer
Kosten bei Vollzeit Ähnlich bis teurer (privat) Ähnlich bis günstiger (subventioniert)

Tipp: Viele Familien kombinieren: Z.B. 2 Tage Kita + 1 Tag Tagesmutter. So bekommt das Kind sowohl die grosse Gruppe als auch die familiäre Einzelbetreuung.

→ Ratgeber: Kita, Spielgruppe oder Tagesmutter — der grosse Vergleich

Quellen: kibesuisse, PAVO (SR 211.222.338), kantonale Fachstellen. Letzte Aktualisierung: Februar 2026.

«Die Schweiz hat eines der teuersten Kinderbetreuungssysteme der Welt. Transparenz bei Kosten und Verfügbarkeit ist der erste Schritt zu besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf.»

Mathias Scherer
Gründer, maus.kids

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