Kita-Besichtigung: Die ultimative Checkliste mit 30 Fragen
Die Besichtigung ist der entscheidende Moment bei der Kita-Wahl. In 30–60 Minuten musst du herausfinden, ob diese Kita die richtige für dein Kind ist. Das Problem: Im Moment selbst vergisst man die Hälfte der Fragen — und hinterher denkt man «Das hätte ich noch fragen sollen». Diese Checkliste verhindert genau das.
Vor der Besichtigung: Vorbereitung
Bevor du die Kita besuchst, kläre für dich selbst:
- Was ist dir wichtig? Pädagogisches Konzept, Nähe, Kosten, Öffnungszeiten, Verpflegung?
- Was sind deine Deal-Breaker? Kein Aussenbereich? Kein frisches Essen? Langer Arbeitsweg?
- An welchen Tagen brauchst du Betreuung? Manche Kitas bieten nicht alle Tage an
- Nimm dein Kind mit — beobachte, wie es auf die Umgebung reagiert
Tipp: Vereinbare die Besichtigung während der regulären Betreuungszeit (vormittags). So erlebst du den Alltag und nicht eine «aufgeräumte» Kita.
Teil 1: Organisation & Alltag (8 Fragen)
Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus? Achte auf eine gute Balance: Freispiel, geleitete Aktivitäten, Mahlzeiten, Ruhezeiten, Aussenzeit. Ein strukturierter, aber nicht durchgetakteter Tag ist ideal.
Wie sind die Öffnungszeiten? Die meisten Kitas öffnen zwischen 07:00 und 07:30 und schliessen zwischen 18:00 und 18:30. Prüfe: Passt das zu deinem Arbeitsweg?
Wie flexibel sind Bring- und Abholzeiten? Manche Kitas haben feste Zeitfenster (z.B. Bringen bis 09:00, Abholen ab 16:30). Andere sind flexibler. Was passiert, wenn du dich verspätest?
Wie viele Betriebsferien gibt es pro Jahr? Üblich: 2–4 Wochen (oft Sommerferien + Weihnachten). Wichtig: Musst du während der Betriebsferien trotzdem zahlen?
Was gibt es zu essen? Wird frisch gekocht? Drei Modelle: Eigene Küche (frisch gekocht), Catering (geliefert), mitgebrachtes Essen. Frag auch nach Bio-Qualität und Herkunft.
Werden Allergien und spezielle Ernährung berücksichtigt? Laktoseintoleranz, vegane Ernährung, religiöse Vorschriften — eine gute Kita hat Erfahrung damit.
Wie viele Kinder sind pro Gruppe? Richtwerte: 8–12 Kinder in der Babygruppe (0–18 Monate), 12–16 in der Kleinkindgruppe (18 Monate – 4 Jahre), bis 22 in altersgemischten Gruppen.
Gibt es altersgemischte oder altershomogene Gruppen? Beides hat Vorteile. Altersgemischt: Ältere helfen Jüngeren, natürliche Familienstruktur. Altershomogen: Gezieltere Förderung.
Teil 2: Personal & Qualität (7 Fragen)
- Wie ist der Betreuungsschlüssel? Das ist eine der wichtigsten Fragen. Empfehlung:
| Altersgruppe | Empfohlener Schlüssel | Minimum |
|---|---|---|
| Babys (0–18 Monate) | 1:3 | 1:4 |
| Kleinkinder (18 Monate – 3 Jahre) | 1:5 | 1:6 |
| Kindergartenkinder (3–5 Jahre) | 1:8 | 1:10 |
Welche Ausbildung hat das Betreuungspersonal? Idealerweise: Fachperson Betreuung EFZ (3-jährige Lehre) oder dipl. Kindererzieher/in HF (Höhere Fachschule). Frag nach dem Anteil an ausgebildetem Personal — er sollte bei mindestens 50 % liegen.
Wie hoch ist die Personalfluktuation? Häufige Wechsel sind ein Warnsignal. Kinder brauchen stabile Bezugspersonen. Frag offen: «Wie lange arbeiten die meisten Mitarbeitenden hier?»
Hat die Kita ein Qualitätslabel? Das QualiKita-Label wird von kibesuisse und der Jacobs Foundation vergeben. Es prüft pädagogische Qualität, Personal und Prozesse. Nicht jede gute Kita hat das Label — aber es ist ein gutes Zeichen.
Gibt es regelmässige Weiterbildungen für das Team? Professionelle Kitas investieren in Weiterbildung: Erste Hilfe, pädagogische Konzepte, Sprachförderung, Umgang mit herausforderndem Verhalten.
Wie ist die Kommunikation mit den Eltern? Tägliche Übergabe-Gespräche? Elternabende? Elterngespräche? Kita-App mit Tagesberichten und Fotos? Je transparenter, desto besser.
Gibt es ein Bezugspersonen-System? Hat dein Kind eine feste Bezugserzieherin, die hauptsächlich für es zuständig ist? Das gibt Sicherheit, besonders in der Eingewöhnung.
Teil 3: Pädagogik (5 Fragen)
Nach welchem pädagogischen Konzept arbeitet ihr? Häufige Konzepte in der Schweiz:
- Situationsorientiert: Orientiert sich an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder
- Montessori: «Hilf mir, es selbst zu tun» — Selbstständigkeit und vorbereitete Umgebung
- Waldorf: Rhythmus, Naturmaterialien, freies Spiel
- Reggio Emilia: Kinder als Forscher, Projektarbeit, ästhetische Bildung
- Waldpädagogik: Natur als Lernumgebung Es gibt kein «bestes» Konzept — wichtig ist, dass es zu eurer Familie passt.
Wie viel Zeit verbringen die Kinder draussen? Empfehlung: Mindestens 1–2 Stunden täglich, bei jedem Wetter. Frag auch: Wohin geht ihr? Eigener Garten, öffentlicher Spielplatz, Wald?
Wie wird die Sprachentwicklung gefördert? Besonders wichtig für mehrsprachige Kinder. Gute Kitas fördern Sprache durch: Bilderbücher, Lieder, Gespräche beim Essen, Erzählkreise. In manchen Kantonen gibt es spezielle Sprachförderprogramme.
Wie geht ihr mit Konflikten zwischen Kindern um? Achte auf: Werden Konflikte begleitet oder sofort unterbunden? Dürfen Kinder Gefühle zeigen? Gibt es eine «Friedenstreppe» oder ähnliche Rituale?
Wie wird die Sauberkeitserziehung gehandhabt? Wichtig für Eltern von Kindern zwischen 2 und 3 Jahren. Gute Kitas gehen individuell vor und setzen kein fixes Alter.
Teil 4: Räume & Ausstattung (5 Fragen)
Sind die Räume hell, sauber und kindgerecht eingerichtet? Achte auf: Natürliches Licht, kindgerechte Möbel, Rückzugsmöglichkeiten, verschiedene Spielbereiche (Konstruktion, Rollenspiel, Kreativität, Bewegung).
Gibt es einen Aussenbereich? Ein eigener Garten ist ein grosser Pluspunkt. Aber auch regelmässige Ausflüge zum Spielplatz oder in den Wald sind gut.
Gibt es separate Schlafräume? Besonders für Babys und Kleinkinder wichtig. Frag: Wie wird der Mittagsschlaf gehandhabt? Werden Kinder zum Schlafen gezwungen?
Ist die Kita kindersicher? Steckdosensicherungen, Treppengitter, gesicherte Fenster, keine scharfen Kanten. Eine bewilligte Kita erfüllt die kantonalen Sicherheitsanforderungen.
Gibt es genügend und altersgerechtes Spielmaterial? Vielfalt ist wichtiger als Menge: Naturmaterialien, Konstruktionsspielzeug, Bilderbücher, Verkleidungskiste, Musikinstrumente, Bastelmaterial.
Teil 5: Eingewöhnung (3 Fragen)
Wie läuft die Eingewöhnung ab? Die meisten Schweizer Kitas arbeiten nach dem Berliner Modell: schrittweise Trennung über 2–4 Wochen. Sei skeptisch bei Kitas, die sagen «Das Kind gewöhnt sich schnell» oder eine Eingewöhnung in unter einer Woche anbieten.
Wie lange dauert die Eingewöhnung? Richtwert: 2–4 Wochen. Manche Kinder brauchen länger. Eine gute Kita gibt dem Kind die Zeit, die es braucht — ohne Druck.
Können Eltern jederzeit anrufen? Ja, das sollte selbstverständlich sein. Frag auch: Wie werdet ihr informiert, wenn etwas Besonderes passiert?
→ Ausführlicher Ratgeber: Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell
Teil 6: Kosten & Vertrag (4 Fragen)
- Was kostet ein Platz pro Tag oder pro Monat?
| Richtwerte (ohne Subventionen) | |
|---|---|
| Ganztag | CHF 100–150 pro Tag |
| Halbtag | CHF 60–90 pro Tag |
| Monat (5 Tage) | CHF 2'000–3'000 |
Frag auch: Gibt es subventionierte Plätze? Hat die Kita eine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde?
Was ist im Preis inbegriffen? Kläre: Mahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Zvieri), Windeln, Ausflüge, Bastelmaterial. Manche Kitas berechnen Essen separat (CHF 8–15/Tag).
Gibt es Geschwisterrabatt? Viele Kitas bieten 10–20 % Rabatt für Geschwisterkinder. In Basel-Stadt ist das dritte Kind sogar kostenlos.
Wie lange ist die Kündigungsfrist? Üblich: 2–3 Monate. Prüfe auch: Gibt es eine Mindestvertragsdauer? Was passiert bei Krankheit oder Ferien — musst du trotzdem zahlen?
→ Ratgeber: Kita-Kosten in der Schweiz
Red Flags: Wann du die Kita von der Liste streichen solltest
Achte auf diese Warnsignale:
- Keine Eingewöhnung oder nur 1–2 Tage — Ein klares No-Go
- Hohe Personalfluktuation — Wenn ständig neue Gesichter da sind, fehlt Stabilität
- Betreuungsschlüssel unter dem Minimum — Zu wenig Personal = zu wenig Aufmerksamkeit
- Kein Aussenbereich und keine regelmässigen Ausflüge — Kinder brauchen Bewegung und frische Luft
- Desinteresse bei der Besichtigung — Wenn sich niemand Zeit für deine Fragen nimmt
- Kinder wirken apathisch oder ängstlich — Achte auf die Stimmung in der Gruppe
- Keine Bewilligung — Jede Kita braucht eine kantonale Betriebsbewilligung (PAVO)
- Unklare Vertragskonditionen — Seriöse Kitas haben transparente Tarife und Verträge
Bewertungsbogen: Kitas vergleichen
Wenn du mehrere Kitas besichtigst, hilft ein einfacher Bewertungsbogen:
| Kriterium | Kita A | Kita B | Kita C |
|---|---|---|---|
| Erster Eindruck / Atmosphäre | ★☆☆☆☆ | ★☆☆☆☆ | ★☆☆☆☆ |
| Betreuungsschlüssel | |||
| Pädagogisches Konzept | |||
| Räume & Ausstattung | |||
| Aussenbereich | |||
| Verpflegung | |||
| Eingewöhnungskonzept | |||
| Kosten / Preis-Leistung | |||
| Erreichbarkeit | |||
| Bauchgefühl |
Tipp: Besichtige mindestens 2–3 Kitas, bevor du dich entscheidest. Und nimm deinen Partner oder deine Partnerin mit — vier Augen sehen mehr als zwei.
Nach der Besichtigung
- Besprich deine Eindrücke mit deinem Partner / deiner Partnerin
- Vergleiche die Kitas anhand deines Bewertungsbogens
- Höre auf dein Bauchgefühl — es ist erstaunlich oft richtig
- Melde dich bei deinen Top-2–3 Kitas an (Mehrfachanmeldungen sind üblich)
- Kläre den Subventionsanspruch bei deiner Gemeinde
→ Schritt-für-Schritt: Kita-Platz finden
Quellen: kibesuisse, QualiKita, PAVO (SR 211.222.338). Letzte Aktualisierung: Februar 2026.
«Die Schweiz hat eines der teuersten Kinderbetreuungssysteme der Welt. Transparenz bei Kosten und Verfügbarkeit ist der erste Schritt zu besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf.»
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