Kita-Eingewöhnung: So gelingt der Start
Der erste Tag in der Kita ist ein grosser Schritt — für dein Kind und für dich. Eine gute Eingewöhnung ist entscheidend dafür, dass sich dein Kind sicher fühlt und gerne in die Kita geht. Hier erfährst du, wie die Eingewöhnung abläuft, was du tun kannst und was normal ist.
Warum ist die Eingewöhnung so wichtig?
Kleine Kinder brauchen sichere Bindungen. In den ersten Lebensjahren sind die Eltern die Hauptbezugspersonen — alles Neue wird von dieser sicheren Basis aus erkundet. Die Eingewöhnung gibt deinem Kind die Zeit, eine neue Bezugsperson (die Erzieherin) kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen, die neue Umgebung zu erkunden, während du noch da bist, und schrittweise zu lernen, dass du gehst und wiederkommst.
Eine überstürzte oder zu kurze Eingewöhnung kann dazu führen, dass sich das Kind dauerhaft unsicher fühlt. Daher nehmen sich gute Kitas bewusst Zeit dafür — mindestens 1–2 Wochen, oft 3–4 Wochen.
Das Berliner Modell: Der Standard in der Schweiz
Die meisten Schweizer Kitas arbeiten nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell, das in den 1980er-Jahren am Institut für angewandte Sozialisationsforschung entwickelt wurde. Es basiert auf der Bindungstheorie und gliedert sich in vier Phasen:
Phase 1: Grundphase (Tag 1–3)
Dauer: 1–2 Stunden pro Tag
Du kommst mit deinem Kind in die Kita und bleibst im Raum. Du bist der «sichere Hafen» — verfügbar, aber zurückhaltend. Die Bezugserzieherin nähert sich dem Kind behutsam und bietet Spielangebote an.
Deine Rolle: Sei da, aber dräng dich nicht auf. Lass dein Kind kommen und gehen. Versuch nicht, es zu bespielen — das ist die Aufgabe der Erzieherin. Verabschiede dich nicht heimlich, wenn du am Ende der Stunde gehst.
Phase 2: Erste Trennung (ab Tag 4)
Dauer: 15–30 Minuten Trennung
Nach ein paar Tagen versuchst du die erste kurze Trennung. Du verabschiedest dich klar und freundlich und verlässt den Raum — bleibst aber in der Nähe (Nebenraum oder vor der Tür).
Wenn dein Kind weint: Das ist normal. Die Erzieherin wird versuchen, es zu trösten. Wenn sich das Kind innerhalb von wenigen Minuten beruhigen lässt, war die Trennung erfolgreich. Wenn nicht, wirst du zurückgeholt und am nächsten Tag wird es nochmal versucht.
Phase 3: Stabilisierung (Tag 5–10)
Dauer: Schrittweise Verlängerung der Trennungszeit
Die Trennungszeit wird Tag für Tag verlängert. Zuerst 30 Minuten, dann eine Stunde, dann über Mittag, dann inkl. Mittagsschlaf. Die Erzieherin übernimmt immer mehr Aufgaben (Wickeln, Füttern, Trösten), während du schrittweise zurücktrittst.
Phase 4: Abschluss (ab Tag 10–14)
Zeichen, dass die Eingewöhnung abgeschlossen ist:
- Dein Kind lässt sich von der Erzieherin trösten, wenn es traurig ist
- Es zeigt Freude, wenn es die Erzieherin sieht
- Es spielt neugierig und erkundet die Umgebung
- Es akzeptiert die Trennung — auch wenn es kurz weint, beruhigt es sich schnell
Zeitplan: Eingewöhnung Woche für Woche
| Tag | Was passiert | Dauer |
|---|---|---|
| Tag 1–3 | Kind + Elternteil zusammen in der Kita | 1–2 Std. |
| Tag 4 | Erste kurze Trennung | 15–30 Min. |
| Tag 5–7 | Trennung wird verlängert | 1–2 Std. |
| Tag 8–10 | Kind bleibt über Mittag (mit Essen) | 3–4 Std. |
| Tag 11–14 | Kind bleibt inkl. Mittagsschlaf | 5–6 Std. |
| Ab Tag 15 | Regulärer Tagesablauf | Volle Betreuungszeit |
Wichtig: Das ist ein Richtwert. Manche Kinder brauchen nur 5 Tage, andere 4 Wochen. Beides ist normal. Lass dich nicht unter Zeitdruck setzen — auch nicht vom Arbeitgeber. Sprich frühzeitig mit deinem Arbeitgeber über die Eingewöhnungszeit.
Was tun, wenn dein Kind jeden Morgen weint?
Es ist ganz normal, dass Kinder in den ersten Wochen beim Abschied weinen. Das bedeutet nicht, dass es ihnen schlecht geht — es zeigt, dass sie eine starke Bindung zu dir haben.
Was hilft:
- Abschiedsritual einführen: Immer gleich verabschieden. Z.B.: Umarmung, Kuss, Winken am Fenster. Kurz und klar — nicht schleichen, nicht endlos hinauszögern.
- Kuscheltier mitgeben: Ein vertrauter Gegenstand von zu Hause gibt Sicherheit.
- Pünktlich abholen: Halte dein Versprechen. Wenn du sagst «Ich hole dich nach dem Zvieri», dann sei nach dem Zvieri da.
- Erzieherin vertrauen: In den allermeisten Fällen beruhigt sich das Kind wenige Minuten nach dem Abschied. Frag beim Abholen nach, wie es gelaufen ist.
- Nicht hin und her: Wenn du gehst, dann geh. Zurückkommen, weil das Kind weint, verlängert den Schmerz für beide.
Wann Alarm schlagen:
Wenn dein Kind auch nach 4 Wochen noch starke Trennungsangst zeigt, sich in der Kita dauerhaft zurückzieht, nicht isst und nicht schläft — dann sprich offen mit der Kita-Leitung. Möglicherweise braucht es eine Anpassung des Eingewöhnungsplans oder ein anderes Setting.
Eingewöhnung bei Tagesmutter und Spielgruppe
Das Berliner Modell funktioniert auch bei Tagesmüttern und Spielgruppen — in angepasster Form:
Tagesmutter: Die Eingewöhnung ist oft kürzer (1 Woche), weil die Umgebung familiärer ist und nur wenige Kinder da sind. Trotzdem: Nicht überstürzen.
Spielgruppe: Viele Spielgruppen bieten 1–2 Schnupper-Halbtage an, bei denen ein Elternteil dabei bleibt. Danach wird die Trennung schrittweise geübt. Da Spielgruppen nur 2–3 Stunden dauern, ist die Eingewöhnung meist unkomplizierter.
Checkliste: Vorbereitung auf die Eingewöhnung
- Eingewöhnungszeit im Arbeitskalender blockieren (mind. 2 Wochen)
- Mit Arbeitgeber klären: Wer übernimmt die Eingewöhnung (Mutter, Vater, oder abwechselnd)?
- Kuscheltier oder vertrauten Gegenstand einpacken
- Ersatzkleidung, Windeln, Nuggi (falls nötig) vorbereiten
- Kind spielerisch auf die Kita vorbereiten (Bilderbücher über Kita-Alltag)
- Eigene Ängste reflektieren — dein Kind spürt, wenn du unsicher bist
- Telefon in der Nähe haben (für den Fall, dass die Kita anruft)
- Erste Woche: Keine grossen Termine einplanen — flexibel bleiben
Quellen: Pro Juventute, kibesuisse, Marie Meierhofer Institut. Letzte Aktualisierung: Februar 2026.
«Die Schweiz hat eines der teuersten Kinderbetreuungssysteme der Welt. Transparenz bei Kosten und Verfügbarkeit ist der erste Schritt zu besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf.»
Weitere Artikel
Kita-Besichtigung: Die ultimative Checkliste mit 30 Fragen
Worauf achten bei der Kita-Besichtigung? 30 Fragen zu Pädagogik, Personal, Räumen, Kosten und Eingewöhnung — plus Red Fl...
Kind krank: Wann darf es in die Kita? Rechte & Regeln
Kind krank — Kita ja oder nein? Klare Regeln, Karenzzeiten, deine Rechte als Arbeitnehmer:in und Notfalllösungen für ber...
Ein Tag in der Kita: Was dein Kind erlebt
Vom Morgenkreis bis zum Zvieri: So sieht ein typischer Kita-Tag in der Schweiz aus — mit Zeitplan, Packliste und Untersc...
Kita-Wechsel oder Umzug: So klappt der Übergang reibungslos
Umzug geplant oder mit der Kita unzufrieden? So gelingt der Wechsel für dein Kind ohne Stress — inkl. Checkliste und Tip...
Kita-Platz finden: Schritt-für-Schritt-Anleitung
So findest du den richtigen Kita-Platz: Wann anmelden, worauf achten, welche Fragen stellen. Praktische Anleitung mit Ti...
Kita-Vertrag: Worauf du achten musst (mit Musterklauseln)
Kündigungsfristen, versteckte Kosten und Haftung: Die wichtigsten Klauseln im Kita-Vertrag — keine bösen Überraschungen....